Economic Update | J.P. Morgan Asset Management

Wolken türmen sich am Horizont, aber zunächst scheint auch mal die Sonne: In unserem Basiszenario gehen wir davon aus, dass die Märkte in den nächsten drei bis sechs Monaten ein unter dem Trend liegendes Wachstum, eine unverändert niedrige Inflation und das fortwährend hohe Maß an Unterstützung durch die Zentralbanken weiterhin reflektieren werden. Unter Berücksichtigung unvermeidlicher, volatiler Marktphasen, befürworten wir hochklassige Durationen, höher verzinsliche Wertpapiere mit höherem Rating, sowie Barmittel und das als sicherer Hafen geltende Gold.

Diese zweiwöchentlich aktualisierte Übersicht zeigt Ihnen auf einen Blick Veränderungen der konjunkturellen Daten und Kapitalmärkte, wobei auch die Implikationen für Anleger im Fokus stehen.


Wachstum

Von der deutschen Konjunktur kommen weiter gemischte Signale: Im August legten die Auftragseingänge der Industrie überraschend stark um 2,0% gegenüber Vormonat zu. Aufgrund der Rückgänge der Vormonate deutet der langfristige Trend aber weiter abwärts. Die Industrieproduktion schrumpfte dagegen um 0,3%, es war das dritte Monats-Minus in Folge. Die Industrieproduktion im engeren Sinne – ohne Bau und Energie – sank um 0,1%. Die deutschen Exporte nahmen im August um 0,1% ab, ebenso der Einzelhandelsumsatz. Die Stimmung bei den Unternehmen blieb jedoch zuletzt stabil, der Ifo-Geschäftsklimaindex sank im September nur leicht um 0,2 Punkte.


Jobs

Am deutschen Arbeitsmarkt läuft es weiter rund: Im September gingen dank der Herbstbelebung Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung deutlich zurück. Bereinigt um saisonale Einflüsse schrumpfte die Zahl der Erwerbslosen gegenüber August um 23.000, gegenüber dem Vorjahr betrug das Minus 192.000. Laut Bundesagentur für Arbeit sank die Arbeitslosenquote damit um 0,2 Prozentpunkte auf 5,0%. Die Zahl der Erwerbstätigen bezifferte das Statistische Bundesamt für August mit 44,8 Millionen, das war so viel wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Auch in der Eurozone blieb die Arbeitslosigkeit weiter auf dem Rückzug: Im Juli lag die Quote mit 8,2 Prozent auf dem niedrigsten Stand seit November 2008.


Inflation

In Deutschland ist die Inflationsrate im September überraschend deutlich gestiegen. Sie erreichte nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes 2,3% nach 2,0% im August. Hauptgrund war abermals die Energie, die sich im Zuge des höheren Ölpreises weiter verteuerte. Aber auch die Kerninflationsrate (ohne Energie- und Nahrungsmittelpreise) hat zugelegt. In der Eurozone erhöhte sich die Teuerungsrate im September nach einer ersten Schätzung von Eurostat von 2,0% auf 2,1%. In den USA war die Inflationsrate im August von 2,9% auf 2,7% zurückgegangen, für die Kernrate ergab sich ein Wert von 2,2% (Juli: 2,4%).


Zinsen

Die US-Notenbank hat auf ihrem jüngsten Treffen erwartungsgemäß den Leitzinskorridor um 0,25 Prozentpunkte auf 2,00%-2,25% erhöht. Die Zentralbanker betonten die gute Verfassung der amerikanischen Konjunktur. Laut ihren Projektionen wird es dieses Jahr noch eine weitere Leitzinserhöhung geben. Für das kommende Jahr gehen die Zentralbanker von insgesamt drei Zinsschritten aus. 2020 soll dann eine weitere Erhöhung folgen. Für 2021 ist bislang kein Zinsschritt vorgesehen, das Zinsniveau würde dann bei 3,4% liegen. Die Europäische Zentralbank erwartet unveränderte Leitzinsen „mindestens bis zum Sommer 2019“.


Gewinne

In den USA ist eine sehr erfreuliche Berichtssaison zu Ende gegangen. Die Unternehmen des S&P 500 konnten die Gewinne im Vergleich zum Vorjahr um knapp 27% steigern. Neben dem Umsatzwachstum von 10% war es vor allem die Steuersenkung, die mit 7% den größten Wachstumsbeitrag lieferte. Besonders stark schnitten Unternehmen aus den Sektoren Energie, Technologie, Finanzen und Telekommunikation ab. In Europa haben 50% der Unternehmen die Gewinnerwartungen und 61% die Umsatzerwartungen übertroffen. Die Gewinne pro Aktie dürften um knapp 10% im Vergleich zum Vorjahresquartal steigen, die Umsätze um 3%.


Risiken

• Turbulenzen an den Anleihenmärkten aufgrund schlechterer Liquiditätsversorgung durch die Notenbanken.
• Konjunkturelle Abschwächung in China und Zahlungsbilanzrisiken in Schwellenländern mit hoher Inflation.
• Schwächere Gewinndynamik der Unternehmen in den kommenden Quartalen
• Gefahr eines Handelskrieges zwischen den USA, Europa sowie China.
• Destabilisierung der Eurozone aufgrund der Ausgabenpolitik der neuen Regierung in Italien.


Investmentthemen

• Aktien und Hochzinsanleihen bleiben aufgrund steigender Gewinne vorerst attraktiv.
• Gestiegene US-Renditen und höhere Marktrisiken rechtfertigen aktuell eine neutrale Duration.
• Wir präferieren zur Zeit neben der Zyklik von Europa den defensiven Charakter von US-Aktien.



 

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      Autoren

Tilmann Galler

 








Executive Director, Market Strategist Deutschland, Österreich, Schweiz



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John Bilton


 

Head of the Global Strategy Team for the Multi-Asset Solutions Group.


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