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Freihandel am Scheideweg




Die Märkte hoffen auf eine gütliche Einigung zwischen China und den Vereinigten Staaten. Wie geht es nun weiter?


Mit der Ankündigung der US-Regierung, den Zoll auf chinesische Waren im Wert von 200 Milliarden US-Dollar von 10 Prozent auf 25 Prozent anzuheben und der Androhung, alle verbliebenen Importe in Kürze mit einem 25-prozentigen Zoll zu belegen, hat der Disput zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt eine neue Eskalationsstufe erreicht. Die US-Regierung hat die zahlreichen kurzfristigen Änderungswünsche Chinas am bisher ausgehandelten Vertragsentwurf für das vorläufige Scheitern der Verhandlungen verantwortlich gemacht.

Doch wie konnte es überhaupt zu so tiefgreifenden Differenzen kommen? Im Jahr 2001 wurde China in die Welthandelsorganisation (WTO) aufgenommen mit dem Versprechen, sich zukünftig an die internationalen Regeln zu halten. Zu den Grundprinzipien der WTO zählen der Handel ohne Diskriminierung, freier Handel ohne Barrieren und Förderung eines fairen Wettbewerbs. 18 Jahre später hat sich das Exportvolumen Chinas verzehnfacht - an der merkantilistischen Ausrichtung seiner Wirtschaft hat sich jedoch wenig geändert. Beim Schutz des geistigen Eigentums, erzwungenem Technologietransfer, Software-Piraterie und freiem Marktzugang liegt China im internationalen Vergleich immer noch im unteren Drittel.

Die Handelspartner tolerierten anfänglich die Nichteinhaltung der WTO-Prinzipien, in der Hoffnung, dass sich mit zunehmenden Wohlstand das Reich der Mitte öffnen wird. Die Ankündigung der „Made in China 2025 Strategie“ von Präsident Xi im Jahre 2015 hat jedoch in den USA das Sentiment gegenüber China nachhaltig verändert. Denn mit der Implementierung dieser Strategie will China den Sprung zum Hochtechnologieführer und zur Cyber-Großmacht schaffen. Neben dem Einkauf von Technologie Know-how aus dem Ausland soll die partielle Abschottung des heimischen Hochtechnologiesesktors gegen ausländische Konkurrenz die Entstehung nationaler Champions ermöglichen.

Der Erfolg von Unternehmen wie Alibaba, Baidu, Tencent, und Huawei scheint Peking in seiner Politik zu bestätigen. Für die USA jedoch ist diese Strategie ein Frontalangriff auf ihre Führungsrolle im Technologiesektor. Die steigende wirtschaftliche und sicherheitspolitische Relevanz von Daten fügt eine weitere Komplexitätsstufe in das Gefüge des Handelsstreits hinzu. Unter diesen Aspekt sind beispielsweise auch die jüngsten US-Sanktionen gegen einzelne Unternehmen wie Huawei zu sehen.


     





Für das Wirtschaftswachstum in der Welt hat die neue konfrontative Handelspolitik der USA negative Folgen. Zwar ist der unmittelbare Schaden, der von den Zöllen ausgeht relativ moderat. Die Zweitrundeneffekte für die Wirtschaft sind jedoch viel gravierender. Mit der Einführung der ersten US-Zölle im vergangenen Jahr hat sich die Stimmung im verarbeitenden Gewerbe weltweit erheblich verschlechtert. Das Volumen des Warenverkehrs im Welthandel ist im Februar 2019 erstmalig seit der Finanzkrise wieder gefallen und die wachsende Unsicherheit über die zukünftige Nachfrage führt zu einer Investitionszurückhaltung. Im Fall einer weiteren Eskalation, die auch die Automobil-Importe beträfe, würde der effektive Zollsatz der USA auf den höchsten Stand seit 1946 steigen. In diesem Szenario könnte sich das globale Wachstum zwischen 0,4 und 0,6 Prozent abschwächen.


Den Schaden hat der Konsument


Eine weitere Folge von Zöllen ist das Ansteigen der Inflation. Doch im Gegensatz zu der Behauptung aus Washington sind es nicht die Chinesen, die die höheren Zölle bezahlen, sondern die Konsumenten und Unternehmen. Ein gutes Beispiel ist die Auswirkung der Zölle auf den US-Waschmaschinenmarkt. Der Absatz günstiger Importware fiel um 31 Prozent, wodurch sich die Preise um durchschnittlich 12 Prozent erhöht haben. Die Amerikaner mussten deshalb in 2018 schätzungsweise 1,2 Millarden US-Dollar mehr für ihre Wachmaschinen bezahlen als im Vorjahr. Auch für die Unternehmen ist ein Handelskrieg keine gute Nachricht. Erstens führen steigende Inputpreise zu höheren Kosten und zweitens mindern Vergeltungsmaßnahmen der Handelpartner die Umsätze aus dem Ausland.

Die relativ geringen Kursverluste seit dem Scheitern der Handelsgespräche lassen darauf schließen, dass die Aktienmärkte immer noch von einer Einigung zwischen Washington und Peking in den nächsten Wochen ausgehen. Doch die Vorraussetzung dafür wäre, dass erstens China bereit ist, einen fundamentalen Wechsel in seiner Wirtschaftspolitik zu vollziehen und zweitens die Vereinigten Staaten zukünftig einen moderateren Kurs bei den politischen Maßnahmen und in der Rethorik gegenüber China einschlagen. Nach unserer Einschätzung stehen die Chancen dafür bei etwas über 50 Prozent. Für Investoren ergibt sich entsprechend eine sehr binäre Situation, weshalb wir zurzeit eine ausgewogene Mischung zwischen risikoreichen Investments auch defensiven Anlagen für sinnvoll erachten.

     
 
     






     

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Tilmann Galler

Executive Director, Market Strategist Deutschland, Österreich, Schweiz.

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