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China 2019: Auf den Hund gekommen?




Neues Jahr - neues Glück? Das schwache Wachstum in China hat im letzten Jahr viele beunruhigt und nun gilt es zu klären, ob die Sorge vor der harten Landung berechtigt ist.


Diese Woche beginnen in China wieder die alljährlichen Feierlichkeiten zum Neujahrsfest. Über einen Zeitraum von fünfzehn Tagen heißen die Chinesen das neue Jahr im Kreise von Familie und Freunden willkommen und das öffentliche Leben kommt gerade in den ersten Tagen der Feierlichkeiten fast zum erliegen.

Mit dem Jahreswechsel ändert sich auch das Tierzeichen des neuen Jahres. Das Jahr des Hundes wird 2019 vom Jahr des Schweins abgelöst. Vielen Chinesen wird der Abschied vom Hundejahr nicht sonderlich schwerfallen, hat sich doch in den vergangenen 12 Monaten das Wirtschaftswachstum von knapp 7 Prozent auf 6,4 Prozent verlangsamt und der chinesische Aktienmarkt zeitweise mehr als ein Viertel seines Wertes verloren.

Für den neutralen Beobachter scheint sich eine Abschwächung des Wachstums auf 6,4 Prozent wie ein Luxusproblem anzuhören. Doch in China verhalten sich die Dinge eben etwas anders. So ist ein Wirtschaftswachstum, das 0,1 Prozent unter dem staatlich verordneten Wachstumsziel liegt, durchaus ein Indiz dafür, dass es mit der Wirtschaft im Reich der Mitte nicht zum Besten steht. Die Angst über eine harte Landung der chinesischen Wirtschaft macht an den Märkten wieder die Runde vergleichbar mit der Situation am Jahresanfang vor drei Jahren. Wie konnte es wieder soweit kommen?

Die Schattenseite der aktiven chinesischen Wirtschaftspolitik der letzten 10 Jahre ist, dass wann immer die Konjunktur lahmte, mit einer enormen Ausweitung der Kreditvergabe reagiert wurde. Damit hat die Verschuldung im Unternehmenssektor und bei den Kommunen einen enormen Anstieg erfahren: Chinas Unternehmen haben mit einer Verschuldungsquote von 155 Prozent zum BIP einen der höchsten Schuldenberge unter den G20 Nationen. Auch die Kommunen haben durch enorme Ausgaben in die Infrastrukturentwicklung der letzten Jahre eine angespannte Finanzlage.


     





Diese makroökonomische Entwicklung hat sich vor drei Jahren nochmals verschärft. Damals wurde die große Kreditausweitung fast ausschließlich durch das Schattenbankenwesen via Kreditfonds finanziert, weil die Banken bei vielen Kreditnachfragern - seien es Privatunternehmen oder Kommunen - nicht mehr bereit waren, zusätzliche Kreditrisiken einzugehen. Im Frühjahr 2018 hat Peking beschlossen, dieser Entwicklung einen Riegel vorzuschieben und hat die Kreditvergabemöglichkeiten für Schattenbanken wie Vermögensverwaltungen deutlich eingeschränkt. Das Ziel war klar, die Kreditvergabe wieder stärker in den regulierten Bankenbereich zu überführen. Diese Maßnahmen haben zwar den gewünschten Effekt erzielt - die Verschuldungsquoten sind gefallen - jedoch zum Preis eines langsameren Wachstums. Just in diesem fragilen Moment für die chinesische Wirtschaft hat die US-Admimistration den Handelskonflikt mit China verschärft - mit der Konsequenz, dass sich die Abschwächung der Wirtschaft beschleunigt hat.


Pekings 180-Grad-Wende in der Wirtschaftspolitik


Die chinesische Regierung hat daraufhin in der zweiten Jahreshälfte 2018 umgeschwenkt von Konsolidierung zu Wachstumsförderung. Die Geldpolitik wurde gelockert und im November wurden zahlreiche Steuererleichterungen für Privathaushalte und Unternehmen verabschiedet. Die Steuerlast für Privathaushalte wird dadurch schätzungsweise um 40 Prozent fallen und einen kräftigen Schub für das verfügbare Einkommen bedeuten. Für 2019 sind zusätzlich weitere stimulierende Maßnahmen geplant. Neben der Senkung und Vereinfachung der Mehrwertsteuer werden nach einem Jahr der Konsolidierung die Infrastrukturausgaben wieder nach oben gefahren. Diese Maßnahmenpakete dürften nach unserer Einschätzung ausreichen, eine härtere Landung der chinesischen Wirtschaft in 2019 zu verhindern. Das wäre auch für die europäische Wirtschaft eine willkommene Entwicklung, deren Außenhandel mit China und den Emerging Markets jüngst deutliche Anzeichen der Schwäche gezeigt hat. Wenn jetzt noch der Handelskonflikt mit den USA im neuen Jahr nicht weiter eskaliert, stehen die Chancen nicht schlecht, dass nicht nur die Chinesen beim nächsten Neujahrsfest erleichtert sagen werden: „Schwein gehabt.

     
 
     

Infrastrukturinvestments in China









     

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Tilmann Galler

Executive Director, Market Strategist Deutschland, Österreich, Schweiz.

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